Über die Entstehung von Großkniegnitz

 

Aus dem Jahre 1349 stammt eine Urkunde, die unser Dorf Großkniegnitz als "Magna Knegcicz", also als ein "großes Dorf" bezeichnet. Durch diesen Namen wird es daher als "Frühgeschichtliche Gründung" bezeichnet. Der Name ist slawischen Ursprungs und lässt eine zweifache Deutung zu. Er kann ebensowohl als "eine Siedlung im Gebüsch" oder "im Walddickicht" bezeichnet werden als auch einen " Wohnsitz fürstlicher Leute" anzeigen. In der Tat befand sich am Fuße des Eichberges am Anfang des 13. Jahrhunderts ein Hof des Herzogs Heinrich I. des Bärtigen, welcher der Gemahl der Heiligen Hedwig war.

 

Bereits 1204 wird im damaligen "Kneginici" ein "Plebanus" (="Leutpriester") erwähnt.

 

Im Jahre 1208 war es, als er das Dorf Knegnici gegen ein anderes Dorf dem "Sandkloster Breslau" übergab. 1290 ist es aber wieder in fürstlichem Besitz. Da weist Herzog Heinrich IV. (1270 - 1290) in seinem Testament dem neu zu gründenden Nonnenkloster in Breslau Einkünfte aus seinen Dörfern "Kniegnitz, Senitz und Panthenau zu. Jedenfalls war Großkniegnitz damals schon im Besitz einer Kirche, denn 1295 bezeugt der Pfarrer Otto (Nachname) von Kniegnitz eine Urkunde des Kanzlers Petrus über die Gründung einer Pfarrkirche in Nimptsch. In der Mitte des 14. Jahrhunderts erscheint die Pfarrkirche in Großkniegnitz als eine der 38 Kirchen des großen Archipresbiterats Nimptsch unter dem Erzpriester in Siegroth.

 

Es ist nicht wenig, was die ältere Geschichte über das Dorf Großkniegnitz, welches auf sechs Namensvettern in Schlesien stolz sein kann, berichtet. Immer wieder wird sein Namen in Urkunden kurz erwähnt. In einer Urkunde, ausgestellt am 09. Mai 1396 zu Prauß, stiftet Goetzko von Bursnicz, Borschnitz, der Kirche in Prauß einen neuen Altar, welcher der hl. Anna, Margaretha, Barbara und Dorothea geweiht werden soll. Diesen neuen Altar in der Kirche zu Prauß "begabt" er auch mit "Zinsen von dem Vorwerk" und dem Kretscham in Knegnicz, eine Meile von Nimptsch entfernt.
In diesem Zusammenhang werden auch die Namen der Besitzer genannt, das "3 ½ Hufen" umfassende Vorwerk in Großkniegnitz gehörte einem "Henezel Rudel", die Besitzer des Erbkretschans waren "die Männer Nikolaus Hobeler, Nikolaus Molner, Nikolaus Pynner ".

 

Erbscholtisei und Gerichtskretscham sind Jahrhunderte alte Namen und ein vollgültiges Zeugnis dafür, dass die einst slawische Siedlung Kniegnitz im 13. Jahrhundert mit Deutschen besiedelt wurde. Dies könnte geschehen sein durch einen "Borschnitz" von der zerstörten Burg Ranchwitz. Auch ist es möglich, dass der Herzog Heinrich oder das Sandkloster in Breslau die unmittelbare Veranlassung zur Gründung des deutschen Dorfes Kniegnitz gaben. Da Urkunden fehlen, kann es sich nur um Annahmen und Vermutungen handeln. Bis zur Zeit der Husseitenkriege (1420 - 1435) erfreuten sich die Kniegnitzer Bauern der schönsten Freiheit unter ihrem Erbscholzen. Von da an ging es aber langsam bergab und sie gerieten zuletzt ganz in die Erbuntertänigkeit des Amtes Rothschloß. Seinem jeweiligen Amtsverwalter waren sie auf Gedeih und Verderb ausgeliefert; der konnte züchtigen und loslassen. Die Sage erzählt von einem alten Turme in Rothschloß, der das Gefängnis für die Untertanen des Amtes gewesen sein soll und in dem mehr als einer für immer den Strahlen der Sonne entzogen wurde. In den Händen des Amtsverwalters von Rothschloß, es hieß lange Zeit das Amt Teich, weil sich hier ein weitläufiger Teich, einer der größten im Fürstentum Brieg, befand, lag auch die Berufung des Geistlichen von Kniegnitz. Solange es Herzöge von Brieg gab, waren diese die Patronatsinhaber von der Kirche in Großkniegnitz. Nach ihrem Erlöschen 1675 waren die Verwalter und Inhaber der nunmehr königlich gewordenen Ämter die Patronatsvertreter. So war im 17. Jahrhundert ein Herr von Matritzky, genannt Schütz, Kirchenpatron von Großkniegnitz, dessen Gedächtnis durch die Matritzkykuppe auf dem Eichberg festgehalten wird.

 

Großkniegnitz unter der Herrschaft des Amtes Rothschloss. Darüber gibt der Steuerkataster des Nimptscher Kreises aus dem Jahre 1743 einige bemerkenswerte und interessante Aufschlüsse. Dort ist auch das namentliche Verzeichnis aller Einwohner des Dorfes enthalten.

 

Die erste Steuerschätzung für die Gemeinde Großkniegnitz unter preußischer Regierung geschah am 12. Januar 1743 in Heidersdorf durch die Kreisdeputierten und Landesältesten Ernst Christian von Schickfus und Karl Wilhelm von Tschiersky. Letzterer war in Großwilkau, Kunsdorf und Kobelau begütert. Das wurde damals dem Nimptscher Kreise zugeordnet. Das Dorf bestand damals aus 42 Bauern, war das größte Bauerndorf im Kreise: 79 ½ Hufen hatten diese unter dem Pfluge. Als eine Besonderheit fällt auf, dass nur 4 Dreschgärtner neben den 42 Bauern ansässig waren. An Handwerkern gab es: einen Schmied, einen Fleischer, einen Zimmermann, einen Büttner, einen Stellmacher, einen Riemer, einen Glaser, einen Musiker, einen Koch, 6 Leinweber, 6 Schneider, 8 Schuster, einen Bader, 22 Häusler, 49 Hausgenossen, einen Wassermüller mit 2 Gängen, 3 Hirten, 5 Schäfer, einen Krüger - Gastwirt. Diese bildeten eine besondere Kaste. Denn streng abgegrenzt waren zu dieser Zeit die Bewohner der Städte und Dörfer in Klassen, was auch äußerlich in der Kleidung und in den Kirchenständen zum Ausdruck kam.. Auch in der Feier der Kirmes, die ein Volksfest war, dokumentierte sich dies.

Von den Höfen in Großkniegnitz wird berichtet, dass sie erblich waren. Das heißt, die Grundherrschaft hatte kein Recht, den Erben nach dem Tod eines Bauern den Hof zu entziehen.

 

Die Beschaffenheit des Bodens wird, bezogen auf die damals übliche Aussaat von Hirse usw. teils als gut, teils als mittelmäßig, teils aber auch als gering angegeben. Er trägt, so heißt es, das 5 ½-fache Korn. Die Einteilung der Äcker nach der Morgenzahl ist 1743 niemandem geläufig. Man bemisst und bezeichnet die Größe seines Hofes nach der Zahl der ausgesäten Scheffel, und die geerntete Heumenge rechnet man nicht nach Zentnern, sondern nach zweispännigen Fudern. Körnerbau ist ausschlaggebend. Der Anbau von Kartoffeln, Runkelrüben und Klee ist den Bauern von Kniegnitz noch nicht bekannt. Dagegen bestellt man einen Teil der Brache mit Erbsen, Hirse. Lein säte man 1742 an "12 Scheffel und 2 Metzen". Der Erbschulze in Kniegnitz, Gottlob Friedrich Hoffmann, hatte etwa 216 Scheffel Getreide, Roggen, Weizen, Gerste und Hafer zu ziemlich gleichen Teilen ausgesät. Seine 12 Fuder Heu, die ihm seine Wiesen eintrugen, ermöglichten ihm im Winter das Durchfüttern von 200 Schafen und 12 Kühen. Für die Fütterung im Sommerhalbjahr sorgte die Weide. Denn Weidewirtschaft gab es bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein. Die Großkniegnitzer Hutung wird nur als mittelmäßig beschrieben. Auf der ganzen Feldmark waren 1742 ausgesät: 789 Scheffel 12 Metzen Weizen, 799 Scheffel 1 Metzen Roggen, 838 Scheffel 7 Metzen Gerste, 838 Scheffel 15 Metzen Hafer. Der Garteneinfall der kleinen Leute machte 86 Scheffel aus. Man rechnete nach dem Breslauer Scheffel, der 16 Metzen betrug. Jeder Metze wiederum hatte vier Mätzel. 12 Scheffel waren ein Malter, 24 Scheffel ein Wispel. Übrigens gab es in Schlesien fast soviel verschiedene Scheffel, als man Städte zählte.

 

Eine gleiche Vielfalt herrschte auf dem Gebiet der Münzen und Maße.

 

Das Vorrecht des Erbschulzen in Kniegnitz waren zwei gut besetzte Karpfenteiche. Von jeder Hufe entrichtete die Bauernschaft 3 Scheffel, teils Roggen, teils Hafer, an den Pfarrer. Der Kirchschreiber, auch Organist und Schulhalter in Kniegnitz, bezog 79 ½ Weizengarben, ebenso viele Roggengarben, 118 Brote (also für jeden 3. Tag im Jahr ein Brot), den Neujahrs- und Gründonnerstags-Umgang, für das Uhrstellen 3 Scheffel Roggen und 3 Scheffel Gerste. Das Orgelspiel honorierte man ihm mit dem lächerlich geringen Betrage von 2 Talern, während seine Kollegen in Heidersdorf und Jordansmühl dafür mindestens das Siebenfache erhielten.

 

Aus dem Schulzenhofe hatte die Einschätzungskommission ein steuerbares Einkommen von rund 436 Talern errechnet. Der Pfarrer von Kniegnitz wurde mit einem Einkommen von 343 Talern herangezogen. Die ganze Gemeinde Kniegnitz war rund auf 6872 Taler eingeschätzt. An Gewerbezinsen erhob die Herrschaft, das Amt Rothschloß, rund 90 Taler. Die Gewerbesteuer führte den Namen "Nahrungsgeld" und betrug meist 18 Groschen für das ganze Jahr. Bader, Musiker und Koch waren mit je 1 Taler herangezogen worden. Soviel zahlte auch ein Häusler, während jeder Mieter 12 Silbergroschen entrichtete. Am Erbzinsen von den Bauerngütern in Kniegnitz erhob das Amt Rothschloß 163 Floren, 57 Kreuzer, 5 Heller, von den Gärtnern und kleinen Leuten 13 Floren, 27 Kreuzer. An Krugzinsen bezog es 10 Floren und 24 Kreuzer, an Ablösungszinsen für Steinsalzfuhren 12 Floren, 37 Kreuzer. Spinngeld zahlte man für die abgelösten Spinndienste in Höhe von 3 Floren und 12 Kreuzern, an Auenzins 52 Floren, 56 Kreuzer. Die Baderei zinste 1 Floren und drei Kreuzer. Die Rechnung mit dem Floren und dem Kreuzer war eine Überlieferung aus der österreichischen Zeit, hatte doch Großkniegnitz von 1675 - 1740 unter der Herrschaft der Habsburger gestanden. Ein Floren zeigte das Bildnis des heiligen Florian, des Schutzheiligen von Österreich und war nach ihm benannt. 60 Kreuzer, je zu 4 Pfennigen gerechnet, machten einen Floren aus. So galt ein Floren nach unserem damaligen Geld etwa 2,40 Mark.

Der heilige Florian ist auf den Münzen oft dargestellt als ein schlanker, geharnischter Ritter, Er trägt ein Kreuz auf der Brust und hält in der rechten Hand eine Fahne. Neben ihm steht ein Engel, der aus einem Kübel Wasser auf ein brennendes Haus gießt. Er soll in der Ems ertränkt worden sein. Sein Namenstag ist der 4. Mai.

 

Außer den Gelddiensten wurden die Bauern von Großkniegnitz zu Zugarbeiten mit den Pferden herangezogen, hier waren sie für bestimmte Arbeiten zu festgelegten Zeiten verpflichtet. Man sprach von den so genannten "gemessenen Diensten". Nebenher gingen die "ungemessenen Dienste", welche die Herrschaft zu jeder Zeit bei außerordentlichen Gelegenheiten fordern konnten. Und diese Arbeiten waren es, mit denen manche Herrschaften Missbrauch trieben, so dass es häufig genug zwischen ihnen und den misshandelten Bauern zu Streitigkeiten kam. Im Durchschnitt kamen auf jeden Bauern etwa 120 Gespanntage im Jahr; der eine hatte nach Verhältnis der Hufenzahl seines Hofes mehr, der andere weniger zu leisten. Dazu kamen noch 2865 Tage Handdienste. Bemerkenswert aus dem Steuerkataster ist noch, dass das Dorf Kniegnitz an das Breslauer Domkapital jährlich eine Abgabe von 15 Talern, 2 Silbergroschen und 17 ½ Heller zahlen musste.

 

Über die Preisbewegungen der damaligen Zeit weiß man, dass man ein Kalb und einen Hammel für je 12 Silbergroschen kaufte. Eine Gans kostete 5 Groschen, ein altes Huhn 2 Groschen, eine Mandel Eier das gleiche. Für eine Schweineschulter gab man 9 Silbergroschen, für ein Speckschwein 4 Taler, für ein Kuchelschwein 2-3 Taler. Schafe und Ziegen hatten einen jährlichen Nutzungswert von 3 Silbergroschen, eine Kuh einen Reingewinn von 2 Talern 12 Silbergroschen. Damals hatte der schlesische Taler einen Wert von 24 Silbergroschen, der Silbergroschen zählte 18 Heller oder 9 Pfennige.

Zu der Zeit der Steuereinschätzung von Kniegnitz amtierte hier der Pfarrer David Buchs, ein geborener Breslauer. Schon alt und kränklich, hatte er den Sohn mit Vollmacht zum Steuertermin nach Heidersdorf beordert. 1708 war Buchs nach Kniegnitz gekommen, und 35 Jahre hat er mit der Gemeinde Freude und Leid getragen. Am 17. Juni 1743 ist er an einer "abzehrenden Krankheit" im Alter von 74 Jahren in Kniegnitz verstorben.

 

Bis zum Jahre 1841 hat die Gemeinde Kniegnitz das Joch der Erbuntertänigkeit von Rothschloß getragen. Dann kam es unter das Rentamt von Nimptsch. Erst im Jahre 1850 fielen alle Schranken der Erbuntertänigkeit. Das schöne Bauerndorf von damals , einst in Blüte stehend, war in seinem bäuerlichen Besitz sehr zusammengeschmolzen. Nicht weniger als ein Freigut und 19 Bauerngüter waren mit einer Fläche von 533 Hektar in einem Zeitraum von 30 Jahren an den Großgrundbesitz übergegangen.

 

(Verwendete Literatur: Auszüge aus dem Landsmann-Kalender von 1926)