Erinnerung an Großkniegnitz von Karl Geisler (verst.), Ostenfelde

 

Imrahmt vo Ronchwitz, Prauß und Mollsche, vo Sämts,
Quansdurf und vo Strache, vo Ruthschloß, Korzen und Kurtwitz,
do liegt a Durf, dos heßt Grußkniegnitz.

 

Vo Osten hin, noch Westen zu gelegen,
geschützt is es vo a Sämzer Bergen.
Vo der Madritzki, vom Eechberg und vo a Höllalöchern,
Blitzobleiter goab`s och welche uff moncha Dächern.

 

Aber zum Schutze woar doas noch zu wenig,
denn Grußkniegnitz hotte och noch senn egena Keenig.
Für Ordnung und Ruhe erhalt er,
dofür hotte gesurgt, als Bürgermeester, der Adolph Walter.

 

Eene schiene Kirche goab`s, die stont ei des Durfes Mitte,
wu der Pastor Klose noch omtierte.

 

Zwee Schulen, drei Lehrer woren eim Ort,
der Hauptlehrer Zöfelt hotte die Leitung dort.

 

Verschiedene Vereine toaten och hier sein,
die Feuerwehr, der Fußball- u. der Kameradenverein.
Die Spor- u. Darlehnskasse mit beschränkter Haft,
do goab`s noch die elektrische Genossenschaft.

 

A gruß Dominium goab es och,
der Amtsroat Rohde kofte su monch Bauergutt uuf.
zu dar Bewirtschoftung dar Gütter oller,
do hoatte ar eigestellt dan Inspektor Galler.

 

Assistenten, Schoffer und Schweizer ei`m Stolle,
ei der Stellmacherei hantierten der Stieglitz-Herme und der Reimann-Korle!

 

Eene Brennerei woar och gleich neben onn,
der Klawitter als Brenner, sei Nachfolger woar der Kawan.

 

Beim Ausgange vom Hofe links, kom eene Sehenswürdigket zu Gesicht,
denn on der Stroße,
do stonden nämlich a poar gruße Heffen Edelmist!

 

Ooch enn Steenbruch goabs früher, woas mer heute die Steegrube nennen,
uff dam Berge toat ma olle Joahre doas Johannisfeuer obbrennen.

 

Glei darneben woar die Matritzki, wu ei Winters-Mitten,
die Kinder runter fuhr`n, mit ihra Schlitten.
Wetter links ging ma ei a Eechberg nei,
haußen om Rande, woar ne schiene Aussicht ei`s Freie!
Bei`m Eingange gleich ma zum Förstergroab koam,
wetterhin woar gleich der Hexaploan.

 

Derno koam ma zum St. Paulus, bei dann grußen Eechen,
bei der Postenecke vorbei, ganz hinga toat ma die Strachauer
Grenze errechen.

 

Die Ufsicht über a Eechberg, die hotte der Gellrich Oswald,
dem sei ganzes Leben dem Eechberge gallt.
Wemm eim Frühjoahr toat der Springuff blüh`n,
do toat der Oswald a ganza Sunntich nich aus dam Pusche gieh`n.
Ar kunnte doas Gelärme und doas Getratsche nie leiden,
ar meente, die täten ihm doas ganze Wild vertreiben!

 

Ar woar immer a Jäger, bluß wenig toat a traffen,
aber für`s Wild, do surgte ar, doas es eim Winter woas hotte zu frassen.
Woar aber doas Hulzschloon zu Ende und die Hulzauktion vorbei,
lief a glei anderntags noch Prauß, mit dam Gelde,
und dar Oswald fühlte sich wieder "Frei"!

 

Uff heemzu, do kehrte ar ei jedes Wirtshaus amol ei,
und schwer beloaden koam a dann zu seener Ernestine heim.

 

Nun ruh`n die beeden Alten schunn so monches Joahr ei Gottes Frieden,
wir olle, wir sein nun vo ihnen geschieden.
Mit wehmütigem Herzen und traurigem Blick,
denken wir a su uft oan Grußkniegnitz und oan a Eechberg zurück!

 

Auch heute gilt unserer geliebten teuren Heimat unser Gruß!
doch ehe ich nu kumme zum Schluß,
wulln wir noch singen, liebe Schwestern und liebe Brüder,
zusammen doas scheene Lied:

 

"Nach der Heimat möcht`ich wieder!"