Liebe Heimatfreunde!

Am 02.11.06 jährt sich der 10. Todestag unseres unvergessenen Heimatfreundes Ernst Ponert. Er hat sich mit seinen vielen Artikeln, seinen Gedichten und natürlich besonders auch mit unserem Großkniegnitzer Heimatlied ein Denkmal gesetzt. Das Gedenken an ihn möchte ich bewahren, indem ich einen Artikel veröffentliche, den vielen Heimatfreunden gerne lesen werden, nämlich: „KIRSCHENALLEEN RUND UM GROSSKNIEGNITZ“

Ernst Ponert schrieb: „Am 02. Mai 1988 ließen meine Frau und ich uns von Breslau aus von einem polnischen Taxifahrer, der gut deutsch sprach, in die Dörfer fahren, in denen wir geboren sind und in denen wir unsere Kindheit und einen geringen Teil unserer Jugend erlebt haben. Überall da, wo wir etwas betrachten oder etwas fotografieren wollten, stoppte der Fahrer bereitwillig seinen Mercedes. Er ging auch in die Wohnungen hinein, die früher einmal „unser Zuhause“ waren, um mit den jetzigen Bewohnern zu sprechen. Ganz unerwartet zeigten diese Menschen sich über unser unangemeldetes Erscheinen erfreut. Als der Fahrer unseren Wunsch zur Besichtigung der Stätte unserer Kindheit in die polnische Sprache übersetzt hatte, begrüßten sie uns freundlich, als wären wir alte Bekannte und der Fahrer übersetzte für uns, dass sie schon lange jemanden von den früheren Bewohnern erwartet hätten.

Noch ehe wir in Poseritz die Wohnung unserer Schwiegereltern, die sich jetzt zwei polnische Familien teilen, betraten, hatte bereits eine der polnischen Frauen ein Literglas mit eingeweckten Kirschen aus dem Hause geholt. Sie öffnete es kurzentschlossen, füllte den Kirschensaft in Wassergläser und überreichte uns diese als Willkommens- und Begrüßungstrunk. Da dachte ich an die Kirschenalleen damals im ehemaligen Kreise Nimptsch und rund um Großkniegnitz.

Bei der Weiterfahrt durch die anderen Dörfer und bis nach Großkniegnitz achtete ich darauf, ob von den mir bekannten Kirschenalleen noch etwas vorhanden sei. An einigen Stellen konnte man noch einen blühenden Kirschbaum entdecken. Sicherlich war dieser noch ein kleines Bäumchen, als wir Schlesier damals unsere Heimat verlassen mußten.

Wer von uns kommt da nicht ins Schwärmen, wenn er an die Kirschenalleen längs der Straßen und Feldwege denkt? Wer erinnert sich noch an die herrlich weiße Blütenpracht an den Straßen und Wegen alljährlich im Monat Mai? Diese Bäume trugen köstlich schmeckende, süße Kirschen in den Farben rot, schwarz und gelb mit roten Bäckchen. Ich kenne mich zwar in der Vielfalt der verschiedenen Kirschensorten und deren korrekten Bezeichnungen nicht aus, aber wir Kinder unterschieden zwischen den frühreifen Maikirschen, den süßen Schwarzkirschen und den Staarsäcken, auch Brautkirschen genannt.

An die Straßen und Wege, an denen die Kirschbäume standen, kann ich mich noch gut erinnern. An dem Fahrweg neben der Eisenbahnstrecke von Großkniegnitz nach Kurtwitz standen recht junge Kirschbäume. Die Landstraße von Prauß an Silbitz, Malschau und Strachau vorbei nach Nimptsch war weite Strecken mit Kirschbäumen bepflanzt. An dem breiten Fahrweg vom Gutshof Rohde nach Silbitz standen prächtige, alte Kirschbäume. Deren Äste hingen so tief, bis fast auf den Acker herunter, dass wir Kinder leicht die Kirschen erreichen konnten. Der Verbindungsweg zwischen dem Weg nach Silbitz und dem Feldweg des Bauern Mikesky war ebenfalls mit Kirschbäumen eingerahmt. Von der Erbscholtisei in Richtung Rothschloß führte ein breiter Fahrweg. An diesem standen die Bäume mit den knackigen, gelbroten „Staarsäcken“. Die ersten, reifen Kirschen im Jahr, die wuchsen in einem nicht eingezäunten Obstgarten des Bauern Oskar Wende, neben dem Hohlweg, der vom alten Friedhof in Richtung Quanzendorf oder nach den Eichbergen verlief. Von diesen roten Maikirschen haben wir Jungens oftmals eine Handvoll stibitzt. Sicherlich hat uns der Herr Wende dabei zugeschaut. Er hat uns aber nie verjagt, weil wir den Baum geschont haben, indem wir keine Äste abgebrochen haben.

Wir denken an Ernst Ponert +


Hier in Unterdorf von Großkniegnitz wuchs Ernst Ponert auf


Klassenbild 1929/1930: Ernst Ponert im Kreise seiner Schulkameraden (oberste Reihe, dritter von rechts)


Ernst Ponert (re, mit Mütze) und seine Ehefrau Frieda Ponert (Bildmitte) bei unserer Reise 1995 nach Großkniegnitz

An dem Weg die Matritzke abwärts, nach Quanzendorf hinein, standen prächtige Kirschbäume. Desgleichen war die Landstraße von Quanzendorf bis hin nach Großwilkau eine Kirschenallee. An der Landstraße zwischen Großwilkau und Senitz standen ebenfalls Kirschbäume. An der Straße zum Oberdorf von Großkniegnitz hinaus Richtung Senitz standen bis hinunter an die Lohe nur Kirschbäume. Einige Meter links daneben verlief bis zum alten Steinbruch ein mit Kirschbäumen bewachsener Feldweg.

Oftmals waren diese Kirschen gerade dann reif, wenn wir Jungen das im Dorf gesammelte Brennmaterial für das alljährliche „Johannisfeuer“ mit Pferd und Wagen nach dem Windmühlenberg, oberhalb des Steinbruchs gelegen, transportierten. Dabei langten wir gerne einmal vom Kastenwagen aus nach den gut schmeckenden Kirschen.

Vor der alljährlichen Kirschenernte wurden die Aleen von den Eigentümern verpachtet. Der Pächter und die Pflücker kamen überwiegend aus Breslau. An geeigneten und übersichtlichen Stellen an den Straßen oder den Feldwegen stellten sie ihre Holzhütten auf, in denen sie während der Kirschenernte übernachteten. Hier bewahrten sie auch die „Kirschenschwingen“ (Spanholzkistchen) und ihre Leitern auf.

An diese Hütten konnte man auch für 5 Reichsmark eine volle Schwinge frisch gepflückter Kirschen kaufen. Wenn wir Kinder den Pächter oder einen Pflücker darum baten, bekamen wir oftmals eine Handvoll Kirschen geschenkt. Die meisten Kirschen wurden nach Breslau geliefert. Heutzutage wären Kirschenalleen an den Straßen und Feldwegen undenkbar und unmöglich. Damals fuhr auch ganz selten einmal ein Kraftfahrzeug auf einer Landstraße. Für die seinerzeit verkehrenden Pferdefuhrwerke allerdings waren die Bäume an den Straßen und Wegen angenehme Schattenspender. Ausserdem verringerten die Pachtzinseinnahmen sicherlich die Unterhaltungskosten für die Straßen und Wege.“ ( Ernst Ponert )


Blick auf das Oberdorf von Großkniegnitz: Auch hier fanden sich Richtung Senitz bis hinunter an die Lohe viele Kirschbäume.