Nachruf

 

 

EDITH MIKESKY

"Ihre Schäfchen hielt sie stets zusammen!"

 

Liebe Heimatfreunde! Unsere Heimatfreundin,

Frau Edith Mikesky, hat sich in höchstem Maße verdient gemacht um unsere Heimatgemeinde Großkniegnitz sowie um uns, die Mitglieder der Gemeinde.

Daher ist ihr dieser Artikel gewidmet.

Am 27. Juli 1923 geboren, erlebte sie gemeinsam mit ihren Geschwistern schöne Kindheits- und Jugendtage auf dem Hof der Familie in Großkniegnitz.

Der Hof lag zwischen dem Dominium und der "Lache-Schmiede", war 32 ha groß und wurde von Vater Richard und Mutter Wally, geb. Mende, bewirtschaftet.

Die Schulzeit bei Hauptlehrer Zöfelt sowie die Konfirmation im Jahre 1937 bei Pastor Klose durfte Edith Mikesky noch in ihrem Heimatdorf erleben. Im April 1946 musste auch Edith Mikesky mit Eltern und der Schwester Ruth ihre Heimat verlassen.

In Beelen, Westfalen begann für Edith wie auch für den Rest der Familie ein neuer, schwieriger Anfang nach der Vertreibung. Edith wohnte stets im Hause der Familie, welche dieses mit viel Eigenleistung erbaut hatte. Nach 27 langen Berufsjahren ging sie in den wohlverdienten Ruhestand.

Bereits seit der Vertreibung ist die Familie Mikesky stets für die Großkniegnitzer da gewesen, denn wie auch Familie Mikesky, so fanden viele Großkniegnitzer in der Stadt Warendorf und in den Dörfern Beelen, Ostenfelde und Westkirchen eine neue Bleibe. Kreis und Stadt Warendorf übernahmen sehr bald die Patenschaft über Kreis und Stadt Reichenbach/Eulengebirge, und damit auch über die Großkniegnitzer. Sie richteten alle zwei Jahre, auch heute noch, für die Menschen aus diesem Kreis Reichenbach ein Heimattreffen aus.

Nachdem Frau Wally Mikesky im Jahre 1978 gestorben war, setzte ihre Tochter, Edith Mikesky, diese schon zur Tradition gewordene Gastfreundschaft fort. Am 18. Juni 1982 wurde Edith Mikesky darum gebeten, zukünftig ein gesondertes Treffen für die Großkniegnitzer in einer geeigneten Lokalität in der Umgebung von Warendorf zu organisieren. Diese Zusammenkünfte sollten künftig alle zwei Jahre, jeweils am Freitagabend vor dem Kreistreffen, stattfinden. Edith Mikesky übernahm bereitwillig diese Aufgabe. Über Jahre hinweg schaffte sie es, ihre "Schäfchen" stets zusammenzuhalten. So kamen zu den 2-jährigen Treffen stets 50 bis 100 Heimatfreunde zusammen.

Das Treffen am 07.06.1996, wiederum unter Leitung von Edith Mikesky veranstaltet, brachte dann einen vorläufigen Höhepunkt: 140 Großkniegnitzer Heimatfreunde folgten ihrem Ruf und trafen sich bereits freitags zum "Kniegnitz-Treffen" im "Emshof" in Warendorf sowie samstags zu einem feierlichen "Kniegnitzer-Gottesdienst" in der Flüchtlingskirche Ostenfelde mit Pastor Bolz, Sohn des verstorbenen Pastors Friedrich Bolz aus Prauss. Höhepunkt dieses Gottesdienstes war dann auch die Feier des Heiligen Abendmahles mit dem Original Großkniegnitzer Abendmahlsgerät.

Am 05.06.1998 hatte dann Edith Mikesky wiederum zum Großkniegnitzer Treffen geladen. Höhepunkt dieses Treffens war wiederum ein Großkniegnitzer Gottesdienst, der verbunden war mit der Feier der Goldenen Konfirmation für 20 Mitglieder der ehemaligen Heimatgemeinde Großkniegnitz.

Diese schon zur Tradition gewordenen Treffen der Großkniegnitzer finden auch heute noch statt.

Über alle Aktivitäten für ihre Heimatfreunde hinweg hat sie jedoch auch ihre Heimatkirche in Großkniegnitz, damals für die Familien Mittelpunkt des christlichen Lebens im Dorf und Ort von Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen, nicht vergessen. Bei der Reise der Großkniegnitzer Heimatfreunde 1995 in das Heimatdorf in der Ferne hatte man festgestellt, dass eine Restaurierung dringend notwendig erschien, und so zählte sie zu den Mit-Unterzeichnern eines Spendenaufrufes zum Erhalt unserer Kirche in Großkniegnitz. Dass die Restaurierungen inzwischen beendet sind und dass mit dieser Hilfe auch der jetzigen polnischen Gemeinde die Hand zur Versöhnung gereicht wurde, ist auch mit ihr Verdienst.

An dieser Stelle sei Edith Mikesky gedankt für ihren jahrelangen nimmermüden Einsatz. Nur durch dieses persönliche Engagement war es möglich, die schönen Großkniegnitzer Treffen nicht nur am Leben zu erhalten, sondern auch mit Leben zu erfüllen. Wir erleben auf dem Kreis-Treffen immer wieder, dass so manche ehemalige Dorfgemeinschaft unseres ehemaligen Kreises Reichenbach nicht mehr vertreten ist, eben weil diejenigen fehlen, die Impulse vermitteln.

Am 12. März 2002 ist Edith Mikesky im Alter von 79 Jahren verstorben. Wir, die Mitglieder ihrer Heimatgemeinde Großkniegnitz, werden nicht vergessen, was Edith Mikesky für uns und für die alte Heimat getan hat.

Wilfried Urbach