Ährenlesen daheim (von Ernst Ponert +)

Liebe Groß-Kniegnitzer Heimatfreunde!

Unser unvergessener Heimatfreund Ernst Ponert hat uns einen Bericht hinterlassen, der in die jetzige Jahreszeit des Erntens fällt. Er wurde mir von seiner Ehefrau, Frau Frieda Ponert, zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Diesen Bericht möchte ich in dieser Ausgabe der „Hohen Eule“ veröffentlichen.

Die Bilder zu diesem Bericht hat mir freundlicherweise Frau Dorothea Winter geb. Dehmelt aus Groß-Kniegnitz, jetzt wohnhaft in Stuttgart, zur Verfügung gestellt.

Ernst Ponert schrieb: „Während meiner Schulzeit, in den Sommerferien, wenn die Getreidefelder abgeerntet waren und die „Nachreche“ abgeräumt war, ging meine Großmutter mit mir zum Ährenlesen. Ganz anders, wie bei der jetzigen Ernte mit dem Mähdrescher, blieben damals auf den Feldern noch viele Getreidehalme und Ähren liegen. An den oft sehr heißen Sommertagen liefen wir über die Stoppelfelder, um Halm für Halm und um jede abgebrochene Ähre vom Acker aufzulesen. Die Ähren steckten wir in ein vor den Bauch gebundenes Leinensäckchen. Hatten wir zwei Handvoll mit Getreidehalmen beisammen, wurden sie mit ein paar Strohhalmen zusammen gebunden. Großmutter nannte solch einen Bund Halme mit den Ähren „Gesengla“. Ein Dutzend davon zusammen gebunden, ergab eine „Puppe“. So viele Puppen, wie sie auf dem Rücken heim tragen konnte, das war für uns eine „Hucke“ und unser anzustrebendes Maß, ehe wir nach Hause gehen konnten. Mir ist immer noch ein Erlebnis von damals in guter Erinnerung: Es war wieder ein heißer Sommertag. Wir waren auf einem großen Feld von Rhode beim Ährenlesen. Unweit von uns waren Landarbeiter vom Rhodegut mit dem Aufladen der „Nachlese“ beschäftigt. Wegen der damals herrschenden großen Hitze hatte jemand zwei Milchkannen voll mit eisgekühltem Himbeerwasser auf das Feld geschickt. Plötzlich kam ein Reiter hoch zu Roß auf uns zu galoppiert. Es war Herr A.K. Rhode, der damals kurz zuvor die Verwaltung der Groß-Kniegnitzer Rhode-Güter übernommen hatte. Bei uns angelangt, stoppte er sein Pferd abrupt. Nach einem kurzen Gruß sagte er zur Großmutter, dass wir beide doch lieber die Getreidehalme dort drüben, aus dem Schwaden der Nachreche, herauslesen sollten, dies würde doch bedeutend schneller gehen. Großmutter dankte für die großherzige Aufforderung, sie belehrte ihn jedoch, dass solch ein Verhalten doch wohl Diebstahl sei, wogegen das, was wir beiden hier täten, für jedermann erlaubt sei. Nun forderte er uns auf, einmal hinüber zu seinen Arbeitern zu gehen, um von dem eisgekühlten Himbeerwasser zu trinken. So gut, wie das Himbeerwasser damals, hat mir nie wieder ein Getränk geschmeckt. Später haben wir das aufgelesene Getreide in der Scheune von Großmutters Eltern, in der „Tenne“, mit Dreschflegeln ausgedroschen. Danach wurde eine kleine „Pleudermaschine“ mit einer Drehkurbel von Hand in Gang gesetzt, um die Spreu von den Körnern zu trennen. Ich habe so manchen Sack mit Getreidekörnern auf einer „Roadber“ (aus Holz gefertigte, leichte Schubkarre) nach Malschau in die Wassermühle gefahren und ihn, diesen Sack, gegen Mehl, Kleie oder auch gegen Getreideschrot eingetauscht. Von diesem Mehl wurde alle zwei bis drei Wochen in einem mit Holz angeheizten Backofen das gute Landbrot und der leckere, schlesische „Sträselkucha“ gebacken. Geschrotenes Getreide und die Kleie wurden damals an die Schweine, an die Gänse und an die Hauskaninchen verfüttert. Auf diese Weise kamen früher, in einem schlesischen Dorf, die armen Leute auch ohne Sozialhilfe über die Runden.“

Ernst Ponert

Schlesischer Sträselkucha
Rezept Schläscher Kucha,
Sträselkucha Dos is Kucha, sapperlot!
Wie's uff Herrgoots weiter Arde
Nernt nich su woas Gudes hoot!
Wär woas noch su leckerfetzig
Eim Geschmak ooch noch su schien:
Über schläsche Sträselkucha Tutt halt eemol nischt nich giehn!

Zunächst einen Vorteig aus Mehl, 50-60 g Hefe, und Milch bereiten, der aufgehen muss. Dieser wird sodann mit den übrigen Zutaten (insgesamt 750 g Mehl, ¼ l Milch, etwas Salz, 125 g Butter oder Margarine, 125 g Zucker, 1-2 Eier, evtl. abgeriebene Zitronenschale und Vanillezucker) vermengt und geknetet. Auf dem vorbereiteten Blech muss er nach dem Ausrollen noch einmal gehen. Man kann unter diesen Teig auch wahlweise in Rum getränkte Rosinen mischen. Für die Streusel benötigt man: 600 g Mehl, 250 g Zucker, abgeriebene Zitronen-schale oder Vanillezucker (nach Wunsch auch gemahlene Mandeln, etwas Muskat) 1 Teelöffel Backpulver, 300 g Butter oder Margarine. Die Streusel werden herge-stellt, indem man die heiße Butter vorsichtig mit den übrigen Zutaten vermengt und zu einer krümeligen Masse verarbeitet. Sie wird sodann auf dem mit Butter bepinselten Blechkuchen verteilt und der Kuchen 20–25 Minuten bei mittelstarker Hitze gebacken. Nach Belieben mit Puderzucker besieben.

Einen „Guten Appetit“ wünscht Wilfried Urbach